November­pogrome
Listenansicht aller Städte
1938 in Niedersachsen

Gleidingen

In Gleidingen, heute ein Ortsteil von Laatzen, lebten seit Anfang des 18. Jahrhunderts jüdische Familien. Um 1835 errichtete die kleine jüdische Gemeinde in der Thorstraße eine Synagoge mit angeschlossenem Schulraum. Die Elementarschule wurde von Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1903 betrieben. Ein kleiner jüdischer Friedhof bestand seit Mitte des 18. Jahrhunderts am Dammacker.

Mitte des 19. Jahrhunderts umfasste die jüdische Gemeinde fast 100 Personen und damit etwa 10 Prozent der Gleidinger Bevölkerung. Danach sank die Zahl durch Abwanderung kontinuierlich. Mitte der 1930er Jahre lebten noch etwa 30 Jüdinnen und Juden in Gleidingen.

Nachdem es bereits vorher zu einer Grabschändung gekommen war, zerstörte die heimische SA im November 1938 die Synagoge. Auch die Fenster von Häusern und Geschäften jüdischer Eigentümer wurden demoliert. 1940 erfolgte der endgültige Abriss der Synagoge.

Einigen Gleidinger Juden gelang nach der Pogromnacht die Emigration ins Ausland. Fast alle anderen wurden deportiert, die letzten zwei in „Mischehe“ lebenden Gleidinger Juden im Januar 1945 nach Theresienstadt. Vermutlich acht Juden und Jüdinnen sind Opfer der Shoah geworden.

Am Standort der ehemaligen Synagoge erinnert ein Findling mit Schrifttafel an das Bethaus und die jüdische Gemeinde. 2009 wurde der Stein geschändet, die Täter wurden nicht ermittelt.

An der Hildesheimer Straße erinnern seit 2008 Stolpersteine an die Familien Schönfeld und Cohnheim. Auf dem jüdischen Friedhof an der Verlängerung des Dammackerweges werden seit 1997 durch die Jüdische Gemeinde Hannover wieder Bestattungen vorgenommen.

Weiterführende Literatur und Links

Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum: Gleidingen (Niedersachsen)

http://www.hagalil.com/2009/11/laatzen/ (Schändung des Gedenksteins 2009)

Rüdiger Kröger, Gleidingen (heute Laatzen-Gleidingen), in: Herbert Obenaus (Hg.), Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen, Bd. 1, Göttingen 2005, S. 612–617.

 

Autor: Dr. Jens-Christian Wagner, Stiftung niedersächsische Gedenkstätten