November­pogrome
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1938 in Niedersachsen

Eldagsen

Ab der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wohnten jüdische Familien in Eldagsen (Region Hannover). Im 19. Jahrhundert wuchs ihre Zahl. 1868 errichtete die Gemeinde eine Synagoge samt angeschlossenem Schulraum und Lehrerwohnung in der Langen Straße. Zur Gemeinde gehörten auch jüdische Familien aus dem benachbarten Gestorf.

Gegen Ende des 19 Jahrhunderts hatte die jüdische Gemeinde rund 60 Mitglieder, danach sank die Zahl nur leicht. Zu Beginn der NS-Herrschaft lebten in Eldagsen noch über 50 Gemeindemitglieder.

Während des Novemberpogroms verwüstete ein SS-Trupp aus dem nahen Springe den Innenraum der Synagoge. Auch die Schaufensterscheiben von drei Geschäften jüdischer Eigentümer schlugen die SS-Leute ein. Das Niederbrennen der Synagoge wurde angeblich durch den Bürgermeister verhindert. Der jüdische Friedhof wurde 1938 geschlossen, das Synagogengebäude 1940 verkauft. 36 Eldagser Juden konnten bis 1939 emigrieren. Andere wurden deportiert und ermordet.

Nach 1945 nutzte zunächst die Katholische Kirche die Synagoge. Später wurde das Gebäude zu einem Wohnhaus umgebaut. Ein 1995 zunächst an anderer Stelle gesetzter Gedenkstein zur Erinnerung an die jüdische Gemeinde steht seit 2013/14 vor dem Gebäude der ehemaligen Synagoge.

Der jüdische Friedhof zwischen Brücken- und Knickstraße wurde während des Zweiten Weltkrieges aufgelassen und in Gartenland umgewandelt. Nach dem Krieg ließ die Gemeinde Eldagsen auf Betreiben einer in Argentinien lebenden ehemaligen jüdischen Eldagserin einen Streifen des ehemaligen Friedhofes mit vier Grabsteinen wieder als Friedhof gestalten. Ein weiterer Friedhof, der auf das Jahr 1783 zurückgeht, befindet sich im benachbarten Gestorf. Dort sind 22 Grabsteine erhalten.

Weiterführende Literatur und Links

Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum: Eldagsen (Niedersachsen)

Tamar Avraham, Eldagsen, in: Herbert Obenaus (Hg.), Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen, Bd. 1, Göttingen 2005, S. 524-533.

Autor: Dr. Jens-Christian Wagner, Stiftung niedersächsische Gedenkstätten